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Sumpfig bis sphärisch

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Matthew Austin und Matilda Pfeiffer begegneten sich im Sommer 2015. Jetzt stellen sie ihre Debüt-EP in der Milla vor

Von Martin Pfnür

Als es den britischen Songwriter Matthew Austin vor einigen Jahren von Manchester nach München verschlägt, ist in seinem Leben so einiges im Argen. Der Drummer seiner damaligen Band: übergelaufen zu einer anderen Formation mit Plattenvertrag. Die langjährige Freundin: ebenfalls übergelaufen, zum Sänger derselben verhassten Konkurrenz, dessen Konterfei zwecks Debüt-Album auch noch über halb Manchester verteilt ist.

Tapetenwechsel. Erst in Berlin, dann, der Möglichkeit eines Praktikums folgend, in München - und damit in einer Stadt, die mit ihrem überschaubaren subkulturellen Angebot nicht unbedingt als große Verheißung für junge Musiker gilt. Matthew Austin ist's egal. Er ist zum Arbeiten hergekommen, der Sommer ist schön, die Stadt "gemütlich", wie er sagt, und als ihm auch nach Monaten noch keiner das neue Fahrrad geklaut hat, ist da die Erkenntnis, dass man hier ja doch etwas länger bleiben und auch das mit der Musik noch mal neu anpacken könnte. Siehe da: Schnell zieht Austin als feiner, dylanesker Folker an der Akustischen seine ersten Auftritte an Land, spielt in der Glockenbachwerkstatt, auf offenen Bühnen, auf privaten Feiern, in jeder nur erdenklichen Off-Location.

So etwa im "Sendlinger Bunker", wo im Sommer 2015 auch die junge Münchner Cellistin Matilda Pfeiffer im Publikum steht, die sofort begeistert ist von der dunklen Intensität, mit der Austin seine Folk-Songs auf die Bühne bringt. Man kommt ins Gespräch und verabredet sich für einen Jam, der wiederum derart gut funktioniert, dass Austin seine neue Bekanntschaft fragt, ob sie denn nicht Lust hätte, ihn bei einem Auftritt zu begleiten, es gäbe da so einen Band-Wettbewerb.

 (Foto: David Ole)

So passiert, was eben passiert, wenn alles passt. Keine Woche später gewinnen die beiden mit ihrem ersten gemeinsamen Auftritt im Feierwerk den renommierten Sprungbrett-Wettbewerb. Es folgen ein ordentliches Preisgeld, diverse Bühnen- und Radio-Auftritte, eine Headline-Show auf dem Theatron-Festival - und mit der nun erscheinenden Debüt-EP auch der erste Tonträger des Duos, das mit dem Schlagzeuger Johannes Rothmoser mittlerweile zum Trio erweitert wurde.

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Wo Austins Fokus als Solo-Musiker noch klar im Folk lag, fächert sich die Palette, die Matthew Matilda auf ihrem komplett live aufgenommen Debüt versammeln, zwischen den beiden Polen Blues und Folk auf. "Breaking Home" und "Sea Lion", bei denen Pfeiffer den Bass bedient, folgen mit sumpfig-fluidem Twang den Bluesrock-Spuren eines Jack White; "London" kommt als getupfter, sphärischer Folk auf Cello-Basis daher, während ein fein gepicktes Stück wie "Fast" seine dunkle Energie auf gravitätische Weise anbahnt und entlädt, und "Season of Love" sich als subtiler, melancholischer Dialog zwischen Gitarre und Cello entpuppt. Sie seien erst noch dabei, den eigentlichen Matthew-Matilda-Sound zu finden, sagt Matthew Austin über das erste Ergebnis dieser wunderbaren Zusammenarbeit. Es klingt wie ein großes Versprechen.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/pop-sumpfig-bis-sphaerisch-1.3479202